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Kiez und Kontakt
 
Kommt zusammen, Leute, lernt euch kennen: Nürnbergs Linke Literaturmesse wächst
 
Stefan Huth
 
Unter dem vieldeutigen, etwas unscharfen Titel »Gegen die Meinungsherrschaft!« fand am Wochenende in Nürnberg die achte Linke Literaturmesse statt. Es war das zweite Mal in diesem Jahr (2002 fiel wegen Terminschwierigkeiten aus), daß sich im traditionsreichen K4, dem ehemaligen KOMM, Verlage, Zeitschriftenredaktionen und Initiativen zusammenfanden, um mit einem kritischen und sehr zahlreich erschienenen Publikum in Dialog zu treten. Auf insgesamt 36 Veranstaltungen konnten sich die Besucher einen Überblick über den gegenwärtigen Zustand der bundesdeutschen Linken verschaffen. Vielfalt wurde angestrebt und ein Spektrum präsentiert, das von Autonomen, DKP, Anarchisten über MLPD und feministische Gruppen bis hin zu moderaten Antideutschen reichte.
 
Die letztgenannte, zahlenmäßig eher unbedeutende Strömung war Thema auf der gut besuchten Auftaktveranstaltung. Der Nürnberger Krisentheoretiker Robert Kurz referierte aus seinem neuesten Buch über die »antideutsche Ideologie« und deren Entwicklung »vom Antifaschismus zum Krisenimperialismus«. Kurz betonte, die »denunziatorische Energie«, mit der die Antideutschen besonders seit dem 11.9. in Erscheinung träten, sei verantwortlich für das gegenwärtige »Schisma« innerhalb der radikalen Linken; eine Entwicklung, die Kurz mit der Aufspaltung der Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg verglich. Unter Ausblendung der historischen Entwicklung nähmen die Antideutschen das Kapital in Schutz, um »die Frage der Emanzipation zu reduzieren auf die Abwehr der Volksgemeinschaftsideologie«. Ihr Versuch, »Deutschland als eigene Produktionsweise jenseits des Kapitalismus« zu begreifen, sei nicht mehr als ein »Sturm im Rotweinglas«. Der »Bellizismus« der Antideutschen gleiche einer »Panikreaktion des westlichen, wohlstandschauvinistischen Subjekts«.
 
Drangvolle Enge dann am Wochenende auf den Fluren und in den Messeräumen, in denen diverse einstündige Programmveranstaltungen parallel liefen. Überall freier Eintritt, zur Finanzierung wurden Spenden gesammelt. Knut Rauchfuss, einer der Autoren des Sammelbandes »Das Unternehmen Krieg« sprach über Paramilitärs und Warlords als »privatisierte Armeen staatlicher Gewalt«, um neue Formen »nichtstaatlicher Kriege« theoretisch zu fassen. Im Nebenraum berichteten zwei Autonome, nicht frei von Nostalgie, vorwiegend Anekdotisches aus ihrer Zeit als »Kiezmiliz« in der Westberliner Häuserkampf- und Anti-Imp-Bewegung der 80er Jahre. Unter dem Motto: »Kein Programm, spontane Aktion!« verwiesen sie auf die »Propaganda der Tat« (»Eine Million Sachschaden für jedes geräumte Haus«). Des weiteren gab es Vorträge von Dieter W. Feuerstein über seine Vergangenheit als »Kundschafter im Westen« oder den Übersetzern von Alexandra Kollontais autobiographischen Aufzeichnungen »Mein Leben in der Diplomatie«. Bei anderen Veranstaltungen ging es um feministische Theorie, »die Linke im Internet« oder Drogenpolitik als »Stoffkunde«. Informationen zur aktuellen Lage in Lateinamerika suchte man leider vergeblich.
 
Die Organisatoren zeigten sich zufrieden mit den deutlich gestiegenen Besucher- und Ausstellerzahlen. Sie verwiesen auf die wachsende Bedeutung dieser Veranstaltung, die deutlich mehr als eine Verkaufsmesse fortschrittlicher Verlage sei, nämlich »eine linke Kontaktbörse« in bayrisch-reaktionären Gefilden.
 
Quelle: http://www.jungewelt.de/2003/11-24/018.php  
 
 
 
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